Kongressprogramm Freiburg 2012

 

Kongressprogramm Deutscher Homöopathie-Kongress 2012

Herunterladen (pdf) 

Login Formular

Login

Login





Passwort vergessen?
.
.

Beobachten, Erkennen und Werten von Verhaltenssymptomen während der Kinderanamnese

Dr. Anne Sparenborg-Nolte- von Verhaltenssymptomen während der Kinderanamnese

Kleine Kinder drücken ihren Zustand mehr durch das aus, was sie tun, als durch das, was sie sagen. Im § 90 des Organon weist Hahnemann uns an, unsere Patienten zu beobachten und unsere Wahrnehmungen zu notieren, wobei der Geistes- und Gemütszustand mit einbezogen wird. Diese Anweisung ist insbesondere für Kinder zu beachten, deren Handeln, Spielen, Gestik und Mimik ihren emotionalen Zustand und ihre Symptome im psychosozialen Kontext, gerade auch bei chronischen Krankheitsfällen, besser ausdrückt als ein Gespräch. Anhand von Beispielen wird das typische Szenario dargestellt, das ein Kind in der Praxis inszeniert. Die Wertung dieser Informationen erfolgt im Kontext mit den Körpersymptomen und der elterlichen Schilderung, die die Wahrnehmung des Kindes ergänzen. Handeln, Reaktion und Gestik/Mimik der Eltern werden ebenso beobachtet wie die des Kindes, sogar die eigene Reaktion des Arztes kann mit einfließen in die Wahl der Arznei.

Vita

Allgemeinmedizin

Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie

Homöopathie, Naturheilverfahren, Psychotherapie

Praktizierende Homöopathin seit 1983, 1984-88 homöopathische Praxis in Auroville/Indien. Niederlassung 1990-2000 und seit 2006. Fachärztin für Allgemeinmedizin und für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie. Seit 1995 Lehrtätigkeit in der homöopathischen Weiterbildung, Supervision für Fortgeschrittene seit 11 Jahren. Mitherausgeberin der AHZ.

Interview mit Dr. Anne Sparenborg-Nolte:

Frau Dr. Sparenborg-Nolte, wie unterscheidet sich eine homöopathische Anamnese beim Kind von der Anamnese beim Erwachsenen?

Eine homöopathische Anamnese beim Kind unterscheidet sich von der Anamnese beim Erwachsenen vor allem durch die Art, wie der Arzt die Information über die Symptome gewinnt. Kinderanamnesen sind sehr unterschiedlich, noch unterschiedlicher als die Anamnesen bei Erwachsenen. Manche Kinder können mit 3 oder 4 Jahren schon ein Symptom benennen, andere erst im Schulalter und wieder andere könnten es zwar, aber wollen es nicht, weil sie nicht freiwillig zum Arzt gekommen sind, sondern gebracht wurden. Viele Symptome können wir also nicht vom Kind selbst erfahren, aber wir können es beobachten. Dass Symptome von den begleitenden Eltern oder einem Elternteil mitgeteilt werden und nicht direkt vom Patienten, muss kein Nachteil sein - wenn die Eltern gute Beobachter sind, ist es sogar ein Vorteil.

Wie drücken sich Kinder bei einer Anamnese aus?

Hier gibt es alle Variationen: Das Kind kann sein Symptom beschreiben, oder es kann durch sein Verhalten ein Symptom demonstrieren. Je weniger ein Kind spricht, um so eher demonstriert es und umgekehrt! Die Anwesenheit des Kindes ist also in jedem Fall wichtig, aber das Kind muss nicht die ganze Zeit über dabei sein. Es ist meist von Vorteil, mit dem Kind allein zu sprechen, da es sich dann ernst genommen fühlt und eher bereit ist, über sich zu sprechen. Wenn ein Kind über sich spricht, sagt es uns wertvolle Dinge. Kinder drücken sich klarer aus als Erwachsene, vorausgesetzt, sie wollen über sich sprechen. Wenn Eltern und Kind gemeinsam im Raum sind, kommt es zu gegenseitigen Beeinflussungen und Interaktionen, die verwirrend, ablenkend aber auch erhellend sein können.

Welche Rolle haben die Eltern bei einer homöopathischen Anamnese?

Die Rolle der Eltern ist abhängig von ihrer Beziehung zum Kind und den Schwierigkeiten oder Sorgen, die sie gerade mit dem Kind haben; dies gilt vor allem bei Verhaltens- und Interaktionsstörungen. Man kann nicht von den Eltern verlangen, dass sie aus ihrer Rolle heraustreten und neutral oder abstrakt die Symptome des Kindes schildern. Oft kann man durch Beispiele aus dem Alltag, die man sich beschreiben lässt, am besten erfassen, um welche Art Bauchschmerz oder Konzentrationsstörung es sich eigentlich handelt.

Welche Schwierigkeiten tauchen bei der Beschreibung von Symptomen auf?

Allein der Name der Krankheit bringt wenig Information, wichtiger ist der detailgetreue Symptomablauf und vor allem bei Kindern der psychosoziale Kontext des Symptoms. Was will das Kind mit dem Symptom ausdrücken? Und bei schweren organisch bedingten Symptomen muss man sich fragen: Was war vorausgegangen, in welcher Situation ist es aufgetaucht? Wenn eine Mutter ein Symptom beschreibt, so fragt man sich als Arzt oft, ob sie eigentlich eher ihre eigenen Gefühle schildert oder das Symptom ihres Kindes. Eltern neigen dazu, eigene Anteile in ihr Kind zu projezieren, dadurch kann es zu verzerrten Wahrnehmungen kommen, die ihnen nicht bewusst sind.

Sind Eltern gute Beobachter ihrer Kinder?

Eltern können sehr gute Beobachter sein, sie können mitunter die Symptome ihrer Kinder hervorragend schildern. Umgekehrt können sie jedoch ganz nebensächliche Dinge für ungeheuer wichtig halten oder falsche Zusammenhänge herstellen, ihre Gefühle spielen ihnen häufig einen Streich, ohne das sie es merken. Generell kann man festhalten: Je besser das Verhältnis der schildernden Person zum Patienten, umso verlässlicher ist seine Beschreibung der Symptome!



  • PDF
  • Sie können diese Seite versenden/ empfehlen
.
.

xxnoxx_zaehler